Es geht ihm um die Verbindung von Sozialem und Wirtschaft. Er sieht die Alternativ Währung als sozialer an, als der Euro es sei. Da der Freitaler mit einer Art „Anti- Zins“ einhergeht. Da laut Gesell Zinsen der Grund für Finanzkrisen und soziale Ungerechtigkeiten seien, erwarten sich die Anhänger des Regionalgelds sehr viel Positives.

Der Ökonom Ralf Becker erklärte am Abend auf einer Veranstaltung, die vom Freitaler Verein bei der Katholischen Akademie in Freiburg ausgerichtet wurde, dass das jetzige Finanzsystem fünf Schwachstellen hat. Er erläutert, dass „wachsende Instabilität (1), Wachstumszwang (2), Orientierung auf kurzfristige Gewinne (3), soziale Ungleichheit (4) und die Entwertung sozialer Beziehungen (5)“ die Gründe für das Zusammenbrechen der Finanzsysteme sei. Becker ist ebenfalls Mitglied im Club of Rome und unterstützt auch dort die Bewegung für das regionale Zahlungsmittel. In seiner Erklärung, wie es zu den Finanzkrisen und auch der sozialen Ungleichheit kommt, findet er die Antworten in schneller steigenden Zinsen, als das Bruttosozialprodukt bringen würde. So stelle man fest, „dass die erzielten Vermögenszuwächse auf den Konten gar nicht durch reales Wachstum gedeckt sind“. Becker behauptet ebenfalls, dass die Reichen reicher und die Armen ärmer würden, und dies ebenfalls den Zinsen zuzuschreiben sei.

Als Lösung für dieses Zinsproblem sieht er das Schrumpfgeld an. Da man Regionalwährungen, wie die Freitaler es seien, nicht sparen oder mit Verzinsung verliehen werden könnten, hätte man sie mit einem Gültigkeitsdatum ausgestattet. Wenn diese Frist abgelaufen ist, kann man ihre Gültigkeit gegen Zahlung einiger Cent nach kaufen, die dann in Form von kleinen Märkchen auf die Scheine kleben kann und so die verlängerte Gültigkeit deutlich macht. Das nennt man „Umlaufimpuls“ erklärt Becker dazu. „so sorgt man dafür, dass das Geld schnell wieder ausgegeben wird“.

Will man aber wirtschaften, braucht man Kredite, nichts anderes als gegen Zins Zahlungen verliehenes Geld. Und so wissen auch die kleineren Unternehmen, auch die, die Marx nicht gelesen haben, dass man sich einen Vorschuss holt, um dann aus mit wenig Geld eingekauften Waren durch deren Verkauf wieder herum noch mehr Geld zu machen. Und so ist es ja dann natürlich auch sehr praktisch, dass man Geld auf dem Markt handeln kann, wie jede andere Sorte Güter auch, und im gleichen Moment auch Waren damit kaufen, weiter zu verkaufen oder aber auch die Arbeitskraft von Mensch und Maschine, um dann am Mehrwert derer Arbeit Gewinn zu machen.

Zinskritiker finden die Ansicht ungerecht, dass man aus wenig oder viel Geld mit Hilfe der Zinsen auch noch mehr Geld machen kann, denn in ähnlicher, wenn auch abstrakterer Weise passiert dies auch bei diesem Prinzip. Jedoch ist gerade diese Abstraktheit das verdächtige – denn die Vorstellung, dass Reichtum und Gewinne auf ehrliche Art der Arbeit begründet sind, lässt sich so sehr schlecht aufrechterhalten. Da gibt es aber den Stereotyp des „jüdischen Zinswucher“, und diesem kann man unter anderem die Tatsache verdanken, dass konkrete Warenproduktion unabdingbar von Zins und Zinseszins abhängig ist, dieses aber unbedingt verdrängt werden muss, damit das ideologische Weltbild der „ehrlichen Arbeit, des ehrlichen Mittelstandes und auch des schaffenden Kapitals“ gerettet werden kann.

 

 

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26. Dezember 2008