Die Hilferufe der US-Immobilienwirtschaft sind inzwischen fast schon genauso laut geworden, wie sie in den letzten Wochen aus der Autobranche an die Regierung gebracht wurden. Jetzt sind es die Entwickler von Bürogebäuden und Einkaufszentren, die in den USA nun den Staat um Hilfe anflehen. Und weil in den nächsten drei Jahren schätzungsweise etwa 530 Milliarden US-Dollar benötigt werden für die Kredite von Gewerbeimmobilien bzw. deren Anschlussfinanzierung, scheint auch hier das Risiko befürchtet zu werden, dass man unter die Räder kommt – wie auch der Wohnungssektor das bereits erleben musste.

Die Kapazitäten werden wohl nicht ausreichen für die Refinanzierung der Darlehen, die im Bereich von Gewerbeimmobilien derzeit zur Verfügung stehen. Das sind zumindest die Informationen, die eine Gruppe von Anbietern in einem Brief offen legte, der an den US-Finanzminister Henry Paulson geschickt wurde. Und diese Anbietergruppe erhofft sich, dass die mit Gewerbeimmobilien gedeckten Anleihen, die einen Umfang von rund 200 Milliarden Dollar haben, dann in das Ankaufprogramm, das durch die US-Notenbank Fed geplant ist, mit Aufnahme erhalten.

Von der Fed gibt es zu diesen Entwicklungen bisher keine Stellungnahme – zumindest keine, die die Medien erreichte. Tatsache ist aber, hier muss wohl kaum diskutiert werden, dass der Gewerbeimmobilienbereich eine Großbaustelle der Krise in den USA ist, die ihre Anfänge in dem Wohnungsmarkt genommen hat. Preise für Wohnhäuser verfallen seit Anfang 2007 und so wurden Anleihen in Hypotheken eingepackt und seither in nicht unerheblicher Zahl notleidend. Die Milliardenabschreibungen, die sich da in den Büchern der Banken ergaben, haben letztlich eine handfeste Krise ausgelöst, der schon einige Konzerne hilfesuchend zu entrinnen versuchen.

Der Kreditmarkt erlebte darüber hinaus ein Einfrieren und diese Art der Anleihe ist nun nicht mehr zu verkaufen. Die Rezession ist in den USA inzwischen soweit gegangen, dass auch große Bürogebäude, Shopping-Center und Hotels in großen Schwierigkeiten sind.

Die Gläubiger fallen leider nun nach und nach auch aus und so sind es Abschreibungen auf CMBS, die bei den Käufern erzwungen werden. Und auch bisher echt solvente Entwickler im Bereich von Gewerbeimmobilien werden in die Problematik mit hineingezogen. Weil eben die gedeckten Anleihen nicht mehr zu platzieren sind und die Banken große Zurückhaltung bei der Erteilung von Krediten walten lassen, bekommen die Betreiber nun massive Probleme, wenn die Fremdkapitalfinanzierungen auslaufen. Und so wird jetzt schon die Alarmglocke betätigt, um dem vorzubeugen.

Für das Jahr 2009 wird mit einem Bedarf in Höhe von 160 Milliarden Dollar für das Neufinanzierungsgeschäft gerechnet. Und auch Experten sehen von Gewerbeimmobilien die nächste Bedrohung ausgehen, die dann die Finanzmärkte und die Konjunktur erreicht.

Der CMBS-Markt wird inzwischen in der Branche schon als Tsunami gehandelt, der die US-Finanzmärkte und die Konjunktur des Landes überschwemmt. Und bisher gibt es lediglich ein Programm, das im Februar 2009 startet und das vorsieht, mit Studienfinanzierungen, Kreditkartendarlehen und Autokrediten dann die gedeckten Anleihen zu kaufen. Das Programm kauft dann den Banken die Schuldverschreibungen ab und verschafft ihnen damit genügend Luft für weitere Kreditvergaben.

Für die US-Bürger sollen damit wieder vermehrt Kredite zur Verfügung stehen und damit soll der Konsum angekurbelt werden.

Was die US-Immobilienwirtschaft noch retten soll, werden wir wohl in den nächsten Tagen und Wochen erfahren.

 

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24. Dezember 2008