In den letzten Monaten musste der Dax einige Stürze überstehen. Unangenehm daran ist aber, dass der Trend, der eindeutig eine Abwärtstendenz hat, noch längst nicht gestoppt ist. Verglichen mit den Gewinnen, die Unternehmen einfahren und den sich daraus ergebenden Bilanzen muss das Börsenbarometer ständig mit weiteren Einbrüchen rechnen.

Vielleicht sogar bis zu einem Rutsch auf 3.000 Punkte?

Wer sich an den gesenkten Gewinnprognosen der Analysten orientiert, stellt fest, dass die Börsen deutlich unterbewertet sind. Da ergibt sich wohl aus einiger Beobachtung, wenn man Aktienkurse und Firmengewinne in den Vergleich stellt. Dieses Ergebnis ist nämlich die wichtigste Kenngröße, die dann teure Aktien von den billigen unterscheiden lässt.

Und aktuell ist es so, dass die Anleger die Dax-Unternehmen mit dem durchschnittlich achtfachen deren Netto-Jahresgewinnes bezahlen. In der Geschichte des Dax sind das sehr günstige Preise. Im Verlauf der vergangenen Jahre lag der sogenannte KGV bei ca. 14.

Und jetzt heißt es ja auch schon recht bald, den Blick auf 2009 zu richten und da ist zu erwarten, dass die Konzerne dann etwa das siebenfache ihres zu erwartenden Gewinns verkaufen. Der Grund für diese Verbilligung liegt darin, dass Experten stark davon ausgehen, dass die Konzerne im Jahr 2009 unter dem Strich etwa 16 Prozent mehr übrig behalten, als das im aktuellen Jahr der Fall war.

Für die Banken sehen Experten dann starke Gewinnsteigerungen, denn die konnten wiederum im aktuellen Jahr eher nichts verdienen. Damit sich dann aus dieser Rechnung heraus ein KGV im üblichen Bereich von 14 ergibt, müsste sich der Dax dann rein rechnerisch im nächsten Jahr verdoppeln – auf mehr als 9.000 Punkte. Die Investoren haben da ein sehr viel negativeres Szenario vor Augen und das wohl auch berechtigt, wie Experten vermuten.

Wie es dann in der Jahrtausendwende schon einmal passiert ist, haben auch hier die Analysten wohl den Einbruch der Firmengewinne wohl schon verschlafen. Auch wenn hier zu Anfang des Jahres noch mit einem 15 Prozent Plus in den Nettogewinnen gerechnet wurde, sind realistische Schätzungen inzwischen im Minusbereich angekommen – und das bei 27 Prozent. Und die Tendenz zeigt sich da weiterhin fallend.

Ziemlich düstere Aussichten für das Jahr 2009, da sind sich dann Firmenmanager und auch Ökonomen ziemlich einig. Und die so prognostizierten Gewinnzuwächse im Bereich von 16 Prozent sollen dann für das neue Jahr auch im Bereich des Unmöglichen liegen. Die sachte Rezession nach der Jahrtausendwende brachte die Gewinne der Dax-Konzerne zum Einbruch – und das um satte 53 Prozent.

Dafür sind zwar hohe Abschreibungen bei Banken und Industrieunternehmen deutlich verantwortlich, aber diese Effekte zeigen, wie nämlich Milliardenabschreibungen oder auch –Verluste bei Mischkonzernen und den Finanzinstituten belegen.

Geht man jetzt einmal davon aus, dass die Dax-Gewinne dann im Jahr 2009 um 50 Prozent schrumpfen, dann ergäbe das eine Verdopplung des aktuellen KGV auf dann 16. Historische Werte könnten also nur erreicht werden, wenn die Kurse um 15 Prozent fallen. Dann erst wäre der Dax fair bewertet – und dann mit knapp 4.000 Punkten.

Aber man kann die Prognosen noch düsterer ausfallen lassen, wenn nämlich die Kursentwicklung dann in eine Relation zu Gewinnrevisionen gestellt wird, die Analysten durchführen. Wenn also die Dynamik des Abwärtstrends bei Firmengewinnen und Kursen gemessen wird. Im Hinblick auf Gewinnschätzungen für das Jahr 2009 haben Analysten bei Dax-30-Konzernen schon in einem Monat – im November – 830 Änderungen vorgenommen, davon 600 in den Erwartungen reduziert.

Und das ist eine noch ungünstigere Relation als nach der Jahrtausendwende. Und selbst bei einer Stabilisierung der Frühindikatoren in der Wirtschaft im zweiten Halbjahr des Jahres 2009 lässt sich dann ein Ziel für den Dax bei 3.600 Punkten ableiten.

Und was ist, wenn die Unternehmen dann in 2009 eher Verluste abschreiben? Investoren neigen in schlechten Zeiten zu einer Orientierung an der Substanz, nicht an potentiellen Gewinnen. Und dann ist die entscheidende Kenngröße der Buchwert. Der wiederum ergibt sich aus dem Eigenkapital und wird bestimmt durch die Summe der Vermögensbestände, von der dann Verbindlichkeiten abgezogen werden.

In den letzten Wochen ist der Dax zwei Mal an der 4.000 Punkte-Marke abgeprallt und das kostete dann die 30 Dax-Titel so viel, wie ihr bilanzielles Eigenkapital auswies. Das war letztmalig übrigens im Frühling 2003 der Fall – da war der Dax auf 2.000 Punkte gefallen. Und es gab noch nie Phasen, in denen die Dax-Konzerne weniger als ihren Buchwert entsprechend kosteten.

Das Börsentief mit 2.200 Punkte entspricht einem Dax-Niveau von heute 4.000 Punkten und da sich diese Marke wohl auch halten wird, ist das Potential für ein weiteres Abwärts für das Jahr 2009 wohl eher begrenzt.

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09. Dezember 2008