Das warten hat ein Ende. Sowohl die Bank of England als auch die Europäische Zentralbank haben die mit Spannung erwarteten Zinsentscheidungen bekannt gegeben. Und beide Notenbanken senkten die Zinsen deutlich mehr, als zunächst angenommen.

Die Bank of England senkte den Leitzins überraschend um ganze 100 Basispunkte von 3,00 auf 2,00 Prozent. Dies teilte der geldpolitische Ausschuss der britischen Notenbank am Vormittag des heutigen Donnerstags mit. Wegen der ausgeprägten Wirtschaftskrise haben die Wirtschaftsexperten mit einer Zinssenkung der Bank of England gerechnet. Jedoch wurde die Senkung fast durchgehend mit 50 Basispunkten angenommen. Am 6. November fand die letzte Sitzung der britischen Zentralbank statt. An diesem Tag wurde der Leitzins um 150 Basispunkte auf 3,00 Prozent gesenkt. Mit der erneuten Absenkung um weitere 100 Basispunkte wurden die Forex- und Aktienmärkte sichtlich überrascht. Kaum ein Experte hatte nochmals mit so einer großen Zinssenkung gerechnet. Der britische Leitzins ist damit so niedrig, wie seit dem Jahr 1951 nicht mehr.

Aber auch die Europäische Zentralbank hat nun zum dritten Mal in Folge den Leitzins im Rahmen des Kampfes gegen die Rezession gesenkt. Zwar war auch diese Senkung massiv, aber nicht so stark und überraschend wie die Zinssenkung der Bank of England. Die Europäische Zentralbank hat heute den Leitzins für die Eurozone um 75 Basispunkte von 3,25 auf 2,50 Prozent gesenkt. Das ist die massivste Anpassung seit ihrer Entstehung vor zehn Jahren. Der Schritt der Europäischen Zentralbank wurde von den meisten Analysten als realistischste Option erwartet. Bereits im Oktober und November senkte die Europäische Zentralbank die Leitzinsen für die 15 Länder des Euroraums um jeweils 50 Basispunkte. Der Leitzins ist für die Kreditwirtschaft der wichtigste Zins, um sich mit Geld von der Zentralbank einzudecken. Der europäische Leitzins liegt damit aber immer noch höher als die Leitzinsen in den USA. Dort hatte die Federal Reserve den Leitzins auf 1,00 Prozent gesenkt gehabt.

Mit den niedrigen Zinsen werden Kredite für und Unternehmen und Verbraucher billiger. Diese Kredite werden für neue Investitionen benötigt und sollen damit die Wirtschaft wieder ankurbeln – so jedenfalls die Hoffnung der Ökonomen. Ein niedriger Leitzins bedeutet für die Verbraucher aber auch niedrigere Verzinsung ihrer Sparguthaben. Damit hat der Verbraucher weniger Anreiz zu sparen und soll – der Theorie nach – mehr konsumieren. Daher erwarten die Beobachter mit Spannung die Pressekonferenz des Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet. Es wird gehofft, dass er sich über den weiteren Kurs der Notenbank äußern wird. Von der Pressekonferenz werden weitere Impulse für den Forex-Trade erwartet.

Weiterhin wird die Europäische Zentralbank im Laufe des Tages ihre neuen Inflations- und Wachstumsprognosen bekannt geben. Ähnlich wie die Konjunkturprognose der Federal Reserve in den USA, das so genannte Beige Book, werden diese wahrscheinlich auch pessimistischer ausfallen als zunächst angenommen. Für 2009 hatte die Europäische Zentralbank ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,2 Prozent für die Eurozone vorhergesagt.

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04. Dezember 2008