Sir Isaac Newton war ein wirklich leidenschaftlicher Börsenspekulant, der letztlich sein gesamtes Vermögen dann um 1720 verlor. Seine Beschreibung dieses Geschäftes war, dass er sagte, er können wohl die Bahn der Himmelskörper auf einen Zentimeter genau berechnen, allerdings nicht, wie es eine völlig verrückte Menschenmenge schafft, die Kurse sowohl in die Höhe als auch in die Tiefe zu treiben.

Der größte Physiker der Welt behauptete, dass Psychologie an der Börse ein entscheidender Faktor ist. So soll es nach seiner These immer so sein, dass besondere Übertreibungen an der Börse sich dann in extremen Verhaltensmustern äußern – dazu gehören dann Gier oder Panik. Der Mensch handelt eben nicht immer rational und tut dies auch in Geldgeschäften nicht. Selbst viele Hochbegabte zusammen werden dann nicht vom Verstand, sondern von ihren Emotionen gelenkt. Dabei ist es die Natur des Menschen, dass er bedingt durch physische und mentale Einschränkungen nur in geringem Maße rational handeln kann.

Das heutige Medienangebot bringt es mit sich, dass die Anleger über eine wahre Informationsflut verfügen können. So muss dieses Überangebot mit gedanklichen Mechanismen bewältigt werden – und das geschieht dann nicht mehr auf rationaler, sondern durch psychologische Einflüsse, denen der Mensch dann folgt.

Komplexe Sachverhalte werden schlicht vereinfacht und dann sprechend Psychologen von Heuristiken – hier sortiert das Gehirn aus, was ihm überflüssig scheint. Somit sind wir aber dann – leider – wieder den subjektiven Kriterien ausgeliefert und so sind es dann wieder Faktoren wie Häufigkeit und Auffälligkeit einer Information oder aber die Verfügbarkeit dieser, die Einfluss darauf nehmen, ob unser Gehirn die Information überhaupt annimmt.

Eines der Verhalten, das dadurch bei Anlegern resultiert, ist es, dann Gewinne früh einzustecken, Verluste aber zunächst einmal ihrem Verlauf zu überlassen. Die Psychologen bewerten dieses Verhalten so, dass der Mensch dann sein Engagement in der Relation zum Kaufkurs betrachtet. In diesem Fall beginnt eine sinkende Sensivität gegenüber Emotionen und Freude sowie Ärger treten in den Hintergrund. Und das heißt dann wiederum, dass ein großer Gewinn relativ weniger freut als ein größerer Gewinn. Als Gegensatz dazu ärgert der Anleger sich aber aus psychologischer Sicht weniger über einen höheren Verlust, wenn ein Minus bereits vorhanden ist. Das vielzitierte Motto „Jetzt ist es schon egal“ wird angewendet.  

In der Fortsetzung dieser Theorie ärgert sich der Anleger relativ mehr über einen Verlust als er sich über einen gleich großen Gewinn in der Relation freut. Somit folgt das Verhalten, eine größere Risikobereitschaft in der Phase des Verlustes nachzukaufen als wenn man sich in einer Gewinnzone befindet. Genau dies ist ein Fehler, den aus psychologischer Sicht viele Anleger machen, nämlich in diesen Momenten emotional zu handeln und damit ihrem eigenen Geld zu schaden.

Wichtig ist auch, dass sich Anleger über ein Phänomen namens Kontrollillusion im klaren sind. Viele kleine Gewinne, die dann früh realisiert werden, führen bei vielen Anlegern dazu, ein Gefühl der Kontrolle zu entwickeln, das zu erhöhter Risikobereitschaft führt. Overconfidence nennt der Psychologe das, was wir dann als schlichte Selbstüberschätzung bezeichnen.

Interessant ist, dass auch typische Kursverläufe psychologischen Hintergrund haben. Gerade in der Nähe von Unterstützungen und Widerständen finden sich psychologische Hintergründe. An bestimmten Punkten von Charts können bestimmte Marktstimmungen verzeichnet werden und der Großteil der Akteure am Markt teilt dann eine Meinung, womit sich dann aber auch die Zahl derer erhöht, die genau hier ihre Kaufkurse sehen. Bei einem Fall der Notierung und einem anschließenden Anstieg zum Widerstand durch Verkäufe der Anleger, die nun ihren Kaufkurs freudig wiederersehen, zeigt sich das Gefühl „mit dem berühmten blauen Auge davongekommen zu sein“.

Übrigens unterliegen nicht nur Einsteiger, sondern auch Profis in Person dann Analysten oder Fondsmanager diesem psychologischen Verhaltensmuster.

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01. Dezember 2008